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Weltmarktführer: die unglaubliche Geschichte einer einst armen Region

Unser Autor Walter Döring hat auf seine einmalige Art die unglaubliche Wirtschaftsgeschichte der Region Schwäbisch Hall-Hohenlohe beschrieben. Einst war sie eine Agrarlandschaft, die man in Stuttgart auch gerne mal Württembergisch Sibirien genannt hat. Heute sieht das längst anders aus! Schwäbisch Hall-Hohenlohe gehört zu den wichtigsten industriellen Zentren weltweit mit der höchsten Dichte von Unternehmen, die in ihrem Bereich als Weltmarktführer einzustufen sind.

Seit über einem Jahrzehnt setzt sich Walter Döring mit seinem „Gipfeltreffen der Weltmarktführer“ für die weitere Vernetzung deutscher Unternehmen ein, ganz nach dem Motto: von den Besten lernen. Für sein Buch, das Ende 2021 erschienen und das grundlegende Werk zum Thema ist, hat er auch die geradezu rührende Geschichte der Top-Unternehmer Würth, Berner und Sturm aufgeschrieben. Drei Schüler einer Realschulklasse, die auf engstem Raum zu Inhabern von Milliarden-Konzernen wurden. Hier als exklusive Leseprobe:

Die Region Schwäbisch Hall-Hohenlohe ragt neben dem Großraum München und der Region Bonn-Rhein-Sieg bekanntermaßen nicht allein aufgrund der großen Zahl ihrer hier beheimateten Weltmarktführer heraus, sondern hat unter diesen auch noch eine nicht nur bundesweite, sondern sogar weltweit einmalige Besonderheit aufzuweisen: Gleich drei Schulkameraden –„drei aus einer Klasse“ – haben jeder eine Firma entweder sehr früh übernommen oder gegründet und sie jeweils zu einem weltweit führenden Unternehmen auf- und ausgebaut. Wer das war? Von der zweiten bis zur vierten Grundschulklasse saßen sie gemeinsam in Künzelsau auf der Schulbank.

Die „Drei aus einer Klasse“ sind Albert Berner, der 1957 sein gleichnamiges Unternehmen gründete, Gerhard Sturm, der 1963 den Grundstein für die ebm-papst-Gruppe legte, und Reinhold Würth, der 1954 mit gerade einmal 19 Jahren die 1945 von seinem Vater Adolf Würth gegründete „Großhandelsfirma für Schrauben und Muttern“ übernahm.

Martin Scheele (Der ewige Zweite, Manager Magazin, 21.9.2005) zufolge waren die Wege dieser drei Unternehmerpersönlichkeiten vorgezeichnet: „Der eine sollte Pfarrer (Sturm), der nächste Schulmeister (Würth) und der dritte Metzger (Berner) werden. Doch es kam anders.“

Auf die Frage, was der Antrieb dazu war, dass „es anders kam“, antwortete Gerhard Sturm in einem Interview mit dem Magazin „Impulse“: „Wir waren eine Kriegsgeneration, wir sind in ganz, ganz schwierigen Verhältnissen aufgewachsen, hatten Sehnsucht nach Dingen, die es nicht gab. Und wenn es nur Süßigkeiten oder Orangen waren. Wir waren alle von einem getrieben: Wir wollten es mal besser haben. Das war die innere Triebfeder, die Zeit hat uns geholfen. Stichwort Wirtschaftswunder.“ Albert Berner führte dazu im selben Gespräch aus: „Wir hatten einmal im Jahr einen schönen Abend, das war der Heilige Abend. Mein Vater hat Metzgerei und Wirtschaft zugemacht, wir haben Karten gespielt und Würstchen mit Kartoffelsalat gegessen. Wir haben meine Eltern sonst nie gesehen. Die Kerle saßen da und haben bis Mitternacht gesoffen. Ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Mein Traum war ein Auto – ein kleiner Topolino – ein kleines Häuschen und eine schöne Frau. Dafür habe ich geschuftet.“

Und wie waren sie damals so als Jungs, was für Charaktere, in und kurz nach ihrer Schulzeit? Gerhard Sturm: „Ich war ein typischer Spätzünder, Albert war ein junger Wilder.“ Albert Berner: „Reinhold Würth war ein zurückhaltender Junge mit Kamera um den Hals. Er hat gern fotografiert. Reinhold war nicht wie wir, er ist nicht mit auf den Sportplatz gegangen und war zurückgezogen.“ Gerhard Sturm: „Er war eben ein netter junger Mann.“

Foto: Walter Döring im Kreis großer Familienunternehmen – Frau Leibinger-Kammüller von TRUMPF, Herr Bühler von OPTIMA und Professor WÜRTH.

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