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Das Gartenphaeton aus Schwetzingen – Oder das Beste von den staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württembergs

Kathleen Uttrodt veröffentlichte im letzten Jahr ihren Denkmalreiseführer – hier lässt sie zwei junge Helden zehn wunderschöne Schlösser und Klöster in Baden-Württemberg besuchen. Ihre Mission ist es, junge Menschen für alte Orte zu begeistern. Dafür entwickelte sie ein sehr unterhaltsames und lehrreiches Konzept: Ben und Ronja stellen die richtigen Fragen und bekommen profunde Antworten. Frei nach Goethe: „Man sieht nur, was man weiß.“ Das ist der wirklich andere Reiseführer mit Geschichten statt Fakten und schönen und schlauen Szenen. Wie dieser hier in Schwetzingen.

… Echtheit und Natürlichkeit kamen in Mode, auch in der Gartenkunst. Darum schickte Kurfürst Carl Theodor den Sohn seines Hofgärtners nach England. Die Ideen, mit denen Friedrich Ludwig Sckell zurückkam, waren revolutionär: geschwungene Wege statt der schnurgeraden im französischen Garten. Bäume, Sträucher und Seen, die wie unberührte Natur aussehen.

„Da musste der Kurfürst aber ganz schön weit laufen durch seinen großen Garten!“, bemerkt Ronja.

Für Kurfürst Carl-Theodor kaufte sein Gartenarchitekt Pigage 1775 in London einen Gartenphaeton mit Lakai-Antrieb.

„Was?“ Ronja versteht kein Wort. Ben knufft sie in die Seite.

„Verzeihung: Wie bitte?“

Man kann es sich vorstellen wie eine Kutsche ohne Pferde – also ein Wagen mit Null PS.

„Und ohne Pferdeäpfel!“, grinst Ben.

Vorn saß der Kurfürst und lenkte. Hinter ihm musste ein Diener, also ein Lakai zwei Bretter abwechselnd nach unten treten – das diente dem Antrieb der Räder.

„Dann war es fast so was wie eine Fahrrad-Rikscha?“, überlegt Ronja.

So ähnlich. Der Muskelkraftwagen ist heute im Schloss Nymphenburg bei München ausgestellt. Er regte übrigens den Heidelberger Studenten Karl Drais zu einer Erfindung an.

„Die Draisine! Der Vorgänger des Fahrrads!“ Bens Augen leuchten …